
Laptop zu. Kopf noch im Büro?
31. Oktober 2026 · von Doreen
Der Laptop klappt zu. Du stehst auf, gehst nach Hause oder wechselst vom Schreibtisch aufs Sofa. Eigentlich ist Feierabend.
Nur im Kopf sitzt noch jemand am Besprechungstisch.
Die unbeantwortete Nachricht meldet sich. Die Aufgabe von morgen winkt aus der zweiten Reihe. Und irgendwo fragt eine innere Stimme: „Haben wir eigentlich an alles gedacht?"
Falls dir das bekannt vorkommt: Willkommen in der vermutlich einzigen Teamsitzung, zu der niemand eingeladen hat.
Wenn Unerledigtes mit nach Hause kommt
Nicht jede Aufgabe lässt sich bis zum Feierabend abschließen. Manchmal fehlt eine Rückmeldung. Manchmal war der Tag schlicht voller, als der Kalender zugeben wollte.
Offene Aufgaben können uns gedanklich weiter beschäftigen. Ein möglicher Ansatz ist deshalb, ihnen einen konkreten nächsten Schritt zu geben.
In mehreren Experimenten untersuchten E. J. Masicampo und Roy F. Baumeister, wie unerledigte Ziele nachwirkten. Wenn Teilnehmende konkrete Pläne für diese Ziele formulierten, verringerten sich die beobachteten störenden Gedanken und Beeinträchtigungen bei anderen Aufgaben.
Das ist ein Hinweis darauf, dass Planung entlasten kann. Es bedeutet nicht, dass jede Aufgabenliste automatisch Ruhe schafft oder schwierige Arbeitsbedingungen damit gelöst wären.
Gib der Aufgabe einen nächsten Termin
„Morgen muss ich unbedingt an das Projekt denken" ist noch ziemlich unbestimmt.
Konkreter wäre:
„Morgen um 9:30 Uhr öffne ich den Entwurf und ergänze zuerst die drei fehlenden Zahlen."
Du hältst fest, was du als Nächstes tun möchtest und wann dafür Raum ist. Dabei darf der Schritt klein sein. „Den ganzen Berg erledigen" klingt nach einem weiteren langen Tag. „Die erste offene Frage klären" lässt sich eher angehen.
Ein kleiner Feierabendversuch
Nimm dir vor dem Arbeitsende ein paar Minuten und notiere:
Was ist noch offen?
Schreibe die Aufgaben auf, die dich gerade beschäftigen. Stichworte reichen.
Was ist der nächste machbare Schritt?
Zum Beispiel: eine Rückfrage stellen, einen Entwurf öffnen oder einen Termin vereinbaren.
Wann kümmere ich mich darum?
Wähle einen realistischen Zeitpunkt. Wenn du auf jemand anderen wartest, kannst du festlegen, wann du nachfragst.
Ein Beispiel:
Offen: Die Rückmeldung zum Angebot fehlt.
Nächster Schritt: Bei der zuständigen Person nachfragen.
Zeitpunkt: Morgen um 10 Uhr.
Diese Übung ist eine Anregung für deinen Alltag, kein wissenschaftlich geprüftes Gesamtprogramm. Probiere aus, ob sie dir hilft, den Tag abzuschließen.
Auch der Übergang darf klein sein
Vielleicht legst du danach deine Unterlagen an ihren Platz, schließt die Arbeitsprogramme oder gehst kurz vor die Tür.
Wähle etwas Einfaches, das für dich zum Arbeitsende passt. Der Feierabend braucht keine zusätzliche To-do-Liste mit sieben Pflichtübungen.
Und wenn später doch wieder ein Arbeitsgedanke auftaucht? Du kannst ihn bemerken und dich daran erinnern: „Der nächste Schritt ist notiert."
Ein Gedanke darf kommen. Du darfst dich wieder deinem Abend zuwenden.
Nicht alles lässt sich wegplanen
Wenn regelmäßig mehr Arbeit anfällt, als in deine Arbeitszeit passt, verdient auch das Aufmerksamkeit. Dann kann es sinnvoll sein, Prioritäten, Zuständigkeiten und Erreichbarkeit gemeinsam zu klären.
Eine persönliche Feierabendroutine kann dich unterstützen. Dauerhafte Überlastung ist jedoch keine Aufgabe, die du allein durch besseres Abschalten lösen musst.
Zum Weiterdenken
Welche offene Aufgabe beschäftigt dich heute noch?
Und welcher kleine, konkrete nächste Schritt würde aus „Ich darf das nicht vergessen" ein „Ich weiß, wann ich mich darum kümmere" machen?
Du musst heute nicht alles fertig bekommen, um für heute fertig zu sein.
Das passende Büroheft
„Der Laptop ist zu. Die Gedanken haben Überstunden." greift das Thema mit humorvollen Comics, einem Feierabendplan und Platz für deine eigenen Gedanken auf.
Das Heft ist in Vorbereitung. In unserer Bürohefte-Übersicht kannst du es bereits kennenlernen.
Quelle zum Weiterlesen
Masicampo, E. J. & Baumeister, R. F. (2011).
Consider it done! Plan making can eliminate the cognitive effects of unfulfilled goals.
Journal of Personality and Social Psychology, 101(4), 667–683.
DOI: 10.1037/a0024192
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