
Ein Satz. Vier Ohren. Warum die leere Kaffeekanne manchmal für volle Köpfe sorgt
31. Oktober 2026 · von Doreen
Der Kaffee ist alle. Und jetzt?
Eine Kollegin schaut in die Kaffeekanne und sagt: „Der Kaffee ist alle.“
Du könntest aufstehen und neuen machen. Du könntest nicken. Oder innerlich denken: „Warum bin eigentlich immer ich zuständig?“
Dabei steht bisher nur eines fest: Es wurde etwas über Kaffee gesagt. Alles Weitere verdient einen zweiten Blick.
Ein Satz kann auf mehreren Ebenen ankommen
Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun unterscheidet vier Seiten einer Äußerung: Sachinformation, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell. Beim Zuhören können unterschiedliche Seiten in den Vordergrund treten.
An unserer Kaffeekanne lässt sich das spielerisch betrachten:
- Sachinformation: Die Kanne ist leer.
- Selbstkundgabe: Vielleicht hätte die Kollegin gern einen Kaffee.
- Beziehungshinweis: Bei mir kommt möglicherweise an: „Sie findet, ich könnte mich auch einmal kümmern.“
- Appell: Ich höre vielleicht die Aufforderung: „Mach bitte neuen Kaffee.“
Diese Beispiele sind mögliche Deutungen. Ob die Kollegin das tatsächlich ausdrücken wollte, wissen wir damit noch nicht. Auch Tonfall und Situation spielen eine Rolle.
Wenn der innere Staatsanwalt schon aufsteigt
In unserem Beispiel hat der innere Staatsanwalt seine Akte vielleicht längst geöffnet: „Wieder die Kaffeekanne. Wieder ich. Die Beweislage ist eindeutig.“
Bevor er sein Plädoyer hält, darf er kurz Kaffee holen.
Für diesen Moment hilft eine kleine Unterscheidung:
Was habe ich gehört?
„Der Kaffee ist alle.“
Was habe ich daraus gemacht?
„Ich soll mich schon wieder um alles kümmern.“
Zwischen diesen beiden Sätzen liegt Raum für eine Frage.
Nachfragen darf ganz einfach sein
Du brauchst im Büro keine Modellbegriffe aufzuzählen. Eine freundliche Rückfrage reicht oft für den nächsten Schritt:
„Möchtest du, dass ich neuen mache?“
Oder, wenn dich die Aufgabenverteilung beschäftigt:
„Geht es gerade um den Kaffee, oder möchtest du mit mir besprechen, wie wir uns das aufteilen?“
Auch die eigene Grenze darf Platz haben:
„Ich kann gerade keinen machen. Können wir später klären, wie wir uns abwechseln?“
Welche Formulierung passt, hängt von eurer Situation ab. Du darfst deine eigenen Worte finden.
Nicht jede Schwierigkeit ist ein Missverständnis
Wenn dieselbe Aufgabe dauerhaft an dir hängen bleibt, darfst du die Verteilung konkret ansprechen. Wiederkehrende Abwertung oder tatsächliche Vorwürfe verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit.
Das Modell ist eine Anregung, genauer hinzuhören. Deine eigene Wahrnehmung und deine Grenzen gehören mit ins Gespräch.
Ein kleiner Impuls für deinen nächsten Arbeitstag
Denk an einen Satz, der dich zuletzt beschäftigt hat:
- Was war der genaue Wortlaut?
- Welche Bedeutung habe ich ihm gegeben?
- Was könnte ich nachfragen, bevor ich darauf reagiere?
Vielleicht beginnt mehr Klarheit mit einem schlichten: „Wie meinst du das gerade?“
Meine Deutung ist eine Möglichkeit. Noch keine Gewissheit.
Zum Weiterlesen
Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Die offizielle Erläuterung findest du beim Schulz von Thun Institut:
Das Kommunikationsquadrat beim Schulz von Thun Institut
Dieser Beitrag enthält eine eigene vereinfachte Erklärung und ein selbst formuliertes Alltagsbeispiel.
Raum für deine Situation
Manche Gespräche beschäftigen uns noch lange nach Feierabend. Wenn du eine Situation aus deinem Arbeitsalltag genauer anschauen möchtest, bietet meine berufliche Begleitung Raum dafür. Gemeinsam sortieren wir das Geschehen, deine Wahrnehmung und mögliche nächste Schritte.
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