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Wenn im Team niemand widerspricht: Wie offen können wir wirklich sprechen?
Beruflich·Leben & Arbeitswelt

Wenn im Team niemand widerspricht: Wie offen können wir wirklich sprechen?

15. Oktober 2026 · von Doreen

Eine Besprechung, ein neuer Vorschlag, eine kurze Frage in die Runde: „Gibt es Einwände?" Niemand meldet sich. Also geht es weiter.

Vielleicht überzeugt der Vorschlag. Vielleicht braucht jemand noch Zeit zum Nachdenken. Vielleicht wirkt die Entscheidung bereits so endgültig, dass eine Rückfrage wenig sinnvoll erscheint.

Die Stille verrät zunächst nur, dass gerade niemand spricht. Was dahinterliegt, lässt sich am ehesten im Gespräch herausfinden.

Einen Moment länger offenbleiben

Wer Verantwortung trägt, möchte Entscheidungen voranbringen. Gerade an vollen Tagen ist es verständlich, eine ausbleibende Rückmeldung als Zustimmung zu verstehen.

Manchmal lohnt es sich jedoch, einen Moment länger bei der Frage zu bleiben.

„Was könnte uns bei der Umsetzung Schwierigkeiten machen?" eröffnet einen anderen Gesprächsraum als „Sind alle einverstanden?". Die erste Frage lädt dazu ein, gemeinsam vorauszudenken. Niemand muss dafür gleich den gesamten Vorschlag infrage stellen.

Vielleicht fällt Ihnen eine bevorstehende Besprechung ein, in der diese kleine Veränderung hilfreich wäre.

Was Menschen aus unseren Reaktionen lernen

Ob jemand einen Einwand äußert, hängt auch davon ab, was bei früheren Einwänden geschehen ist.

Wurde nachgefragt? Gab es Zeit für eine Erklärung? Oder musste die Person ihre Wahrnehmung sofort verteidigen?

Mit psychologischer Sicherheit ist die Überzeugung gemeint, im Team Fragen, Fehler oder Bedenken ansprechen zu können, ohne dafür abgewertet zu werden. Sie zeigt sich in alltäglichen Begegnungen – besonders dann, wenn eine Rückmeldung ungelegen kommt.

Es kann aufschlussreich sein, sich selbst zu beobachten: Höre ich gerade noch zu, oder bereite ich innerlich schon meine Antwort vor?

Eine Rückmeldung zunächst verstehen

Ein Satz wie „Das wird so nicht funktionieren" kann Widerstand auslösen. Er kann zugleich eine Erfahrung enthalten, die für die Entscheidung wichtig ist.

Eine mögliche Antwort wäre: „An welcher Stelle erwarten Sie Schwierigkeiten?"

Damit muss noch nichts entschieden werden. Zunächst entsteht die Gelegenheit, genauer zu verstehen. Vielleicht zeigt sich ein praktisches Hindernis. Vielleicht ein Missverständnis. Vielleicht eine unterschiedliche Vorstellung davon, was erreicht werden soll.

Auch wenn ein Vorschlag anschließend bestehen bleibt, lässt sich erklären, was berücksichtigt wurde und weshalb die Entscheidung so ausfällt.

Offenheit braucht unterschiedliche Wege

Nicht jeder Mensch formuliert seine Gedanken spontan vor einer Gruppe. Manche möchten erst nachdenken, andere sprechen leichter im kleineren Rahmen.

Eine kurze Denkpause oder die Möglichkeit, später eine Rückmeldung zu geben, kann deshalb sinnvoll sein. Wichtig ist, dass daraus eine echte Gelegenheit entsteht und niemand zur Offenlegung persönlicher Bedenken gedrängt wird.

Für die nächste Besprechung könnten Sie sich eine Frage mitnehmen:

Was könnte ich heute tun, damit auch eine noch unfertige oder unbequeme Rückmeldung Platz bekommt?

Vielleicht beginnt es damit, nach einer Frage etwas länger zu warten. Vielleicht damit, einen Einwand aufzugreifen, der beim letzten Mal untergegangen ist.

Gute Zusammenarbeit wächst auch dort, wo Menschen merken: Meine Sicht darf gehört werden, selbst wenn die Entscheidung am Ende anders ausfällt.

Zum Weiterlesen

„Immer etwas Neues: Wie Führung in bewegten Zeiten Orientierung geben kann"

„Wenn der Arbeitstag vorbei ist und die Gedanken bleiben"

Inspiration

Anstoß für diesen Artikel war die aktuelle Diskussion über psychologische Sicherheit bei Veränderungen durch KI. Die Fragen und Anregungen im Text sind eine eigenständige Ausarbeitung.

LinkedIn-Beitrag von Martin Backes: „Wie psychologische Sicherheit über Erfolg und Scheitern einer KI-Transformation entscheidet"

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