
Verantwortung tragen – und trotzdem Mensch bleiben
6. Oktober 2026 · von Doreen
Verantwortung zu tragen ist eine merkwürdige Sache. Auf der einen Seite empfinde ich sie als etwas Gutes, Klares, das mich trägt. Auf der anderen Seite kann sie leise werden, wenn man nicht aufpasst, bis man sie nicht mehr spürt und sie einen doch formt.
Ich habe lange in Rollen gelebt, in denen andere mir vertraut haben. In denen ich entschieden habe, gehört habe, getragen habe. Und ich habe auf diesem Weg viel über das gelernt, was Verantwortung wirklich bedeutet.
Entscheidungen sind selten nur richtig oder falsch
Die einfachste Vorstellung von Verantwortung ist: Ich entscheide richtig. Aber das gibt es kaum. Die meisten Entscheidungen sind tragfähig oder fragil, gerecht oder ungerecht, und oft erst im Rückblick erkennbar.
Ich habe gelernt, dass gute Entscheidungen nicht die sind, die mir die Sorge nehmen. Gute Entscheidungen sind die, die ich verantworten kann, auch wenn sie schwierig sind. Und das gelingt mir am ehesten, wenn ich mir selbst gegenüber fair bleibe.
Der Mensch, der hinter der Rolle steht
Es ist leicht, sich in einer Rolle zu verlieren. In dem, was man sein müsste. In dem, was andere erwarten. Und es ist schwer, sich selbst darin nicht aus den Augen zu verlieren.
Für mich gehört dazu, dass ich ehrlich bleibe. Dass ich Fragen stelle, auch wenn man eine Antwort von mir erwartet. Dass ich Grenzen respektiere, die der anderen und meine eigenen. Dass ich mir erlaube, etwas nicht zu wissen.
Das ist kein Rezept. Es ist eine Haltung, die ich mir immer wieder neu aneignen muss. Manchmal gelingt sie besser, manchmal schlechter.
Ein gutes Gespräch wiegt schwer
Ich glaube an gute Gespräche. An Momente, in denen man sich gegenübersitzt und ehrlich nachdenkt, gemeinsam und ohne Druck. Oft ist aus einem solchen Gespräch mehr entstanden als aus jeder sorgfältig geplanten Strategie.
Verantwortung heißt für mich heute auch, Raum für diese Gespräche zu schaffen. Und mir selbst den Raum zu geben, in ihnen ein Mensch zu sein und nicht nur eine Funktion.
Was würde sich in deinem Arbeitsalltag verändern, wenn du dir selbst mit derselben Fairness begegnen würdest wie anderen?
Dieser Beitrag teilt persönliche Gedanken und Erfahrungen. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder heilkundliche Beratung.
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